bücher gelesen 2026

 

 

 

1. 

Schweizer Literatur 🇨🇭

Sobald wir angekommen sind  *

von Micha Lewinsky, S 288 

 

Ben Oppenheim balanciert zwischen Ex-Frau, zwei Kindern und seiner Liebe zu Julia. Er hat Rückenschmerzen und Geldsorgen, aber was ihn wirklich ängstigt, ist der Krieg in Osteuropa. Getrieben vom jüdischen Fluchtinstinkt steigt er eines Morgens kurzerhand in ein Flugzeug nach Brasilien. Mitsamt Ex-Frau und Kindern, aber ohne Julia. Im Krisenmodus läuft Ben zur Hochform auf. Nur der Atomkrieg lässt auf sich warten. Ben dämmert, dass er sich ändern muss, wenn sich etwas ändern soll.

 

Fazit: mich hat das Buch überhaupt nicht begeistert. Natürlich ist das Buch gut geschrieben, so über einen Antihelden zu schreiben ist grossartig. Aber nervige Familienthemen sind jetzt nicht mehr gerade mein Thema.

 

 

 

2.

Deutsche Literatur 🇩🇪

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel  *

von Alena Schröder, S 352 

 

Was, wenn dein Leben eine Leinwand wäre? Und die Schichten von Farbe Schmerz und Glück?Güstrow, Mai 1945: Die 14-jährige Marlen liegt zusammengekauert in der Schublade einer Kommode in einem verlassenen Forsthaus. Als sie sich endlich befreit, entdeckt sie dort das unscheinbare Porträt einer jungen Frau. Wilma, die Marlen geholfen hat sich rechtzeitig vor den russischen Soldaten zu verstecken, nimmt die junge Waise bei sich auf. Doch Wilma hat ein Geheimnis, das sie zu zerstören droht. Auf zwei Zeitebenen wird die bewegende Geschichte zweier Frauen erzählt, deren Leben durch eine unscheinbar wirkende Leinwand für immer verbunden ist. Berlin, 2023: Hannah Borowski ist 34 Jahre alt und alles wäre gut, wenn nicht ihre beste Freundin Rubi plötzlich ausziehen würde. Und wenn nicht plötzlich Hannahs Vater wieder aufgetaucht wäre. Und was wurde aus der wertvollen Leinwand, die einst Hannahs Grossmutter gehörte und die sich wie ein roter Faden durch ihr bisheriges Leben zieht? Emotional, warmherzig, tiefgründig: Alena Schröder spürt in ihrem Roman der Frage nach, was wir unseren Eltern schulden und welches Erbe sie uns mitgeben. 

 

 

Fazit: toller Roman, gut und spannend, eine Leseempfehlung,

 

 

3,

Belgische Literatur 🇧🇪

Das Geschenk  *

von Gaea Schoeters, S 144

 

Elefanten mitten in der Grossstadt, und es werden immer mehr. Was geht hier vor? Rasch muss der Bundeskanzler erkennen, dass die Tiere nicht aus dem Zoo entkommen, sondern ein Geschenk des Präsidenten von Botswana sind. 20 000 Elefanten hat er nach Deutschland geschickt, nachdem die deutsche Regierung ein Einfuhrverbot von Jagdtrophäen beschlossen und damit den armen Regionen Botswanas die Lebensgrundlage entzogen hat. »Ihr Europäer wollt uns vorschreiben, wie wir zu leben haben. Vielleicht solltet ihr es einmal selbst versuchen …« 

Gaea Schoeters nähert sich nach ihrem Sensationserfolg »Trophäe« den existenziellen Themen des globalen Zusammenlebens aus einer anderen Richtung – und mit blitzgescheitem Humor. Ein neues Lese- und Nachdenkvergnügen!

 

4.

Schweizer Literatur 🇨🇭

Es könnte Liebe sein  *

von Katja Früh, S 304 

 

Anjas Mutter ist übergriffig, herrisch, egozentrisch und für ihr Alter topfit – und hat beschlossen, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Der Termin steht, die Einladungen zur Trauerfeier müssen nur noch verschickt werden, die Menüabfolge für den Leichenschaus inklusive Musik ist ebenfalls festgelegt. Ist das nun selbstbestimmt, egoistisch, angemessen, schlicht verrückt? Anja weiss nicht recht, wie sie reagieren soll und fühlen darf. Zum Glück gibt es Mike in der Bar, die Stammgäste Oli und Jack, ihren Exfreund Carlos, die beste Freundin ihrer Mutter, Nelly, ihren Therapeuten Dr. Dische und vor allem Benjamin, der nach Jahren in London wieder in der Stadt ist – mit ihnen diskutiert, philosophiert und schimpft Anja und denkt zurück, nicht nur an ihre Vergangenheit, sondern auch an die ihrer ganzen Familie, in der auch immer ein Stück der eigenen Wahrheit liegt.

Fazit: traurige und wichtige Themen sind in diesem Roman Hauptthema, aber mit vielen humorvollen Pointen bestückt. Toll geschrieben, eine Leseempfehlung.

 

 

5.

Französische Literatur 🇫🇷

Liebe *

von François Bégaudeau, S 144 

 

Eine frühe Ehe, ein langes Leben: Was Liebe ist. »Man lächelt, man erkennt sich wieder, die Zeit vergeht, und das Wunder geschieht.«  Le Figaro »Ich wollte die Liebe auf eine Weise erzählen, wie sie den meisten Menschen die meiste Zeit widerfährt: ohne Krise, ohne ein bemerkenswertes Ereignis. Im Laufe des Lebens, der vorbeiziehenden Jahreszeiten. In der Melancholie der Dinge. Diese Liebe ist nirgendwo und überall, sie ist in der Zeit selbst. Die Moreaus werden fünfzig Jahre Seite an Seite leben, einer in Begleitung des anderen. Das ist das richtige Wort: Sie ist seine Gefährtin, er ist ihr Gefährte. Nur der Tod wird sie trennen, und selbst das ist nicht sicher.«

Fazit: ob das Liebe ist die hier beschrieben wird, muss jeder für sich entscheiden. Für mich war das schon sehr unterkühlt!

 

 

 6.

Belgische Literatur 🇧🇪

Dius *

von Stefan Hermans, S 352 

 

Als Dius an seiner Haustür klingelt, ist Anton überrascht und irritiert. Keiner seiner Studenten an der Kunsthochschule ist bisher so ungeniert in sein Privatleben vorgedrungen. Oder hat ihm gar seine Freundschaft und einen Schreibplatz in einem alten Dorfhaus inmitten nordisch rauer Landschaft angetragen. Im Wechsel aus konzentriertem Arbeiten und langen Spaziergängen entwickelt sich dort ein fast altmodisch anmutendes Band der Freundschaft zwischen den beiden Männern, während sich ihre jeweiligen Leben zu Hause nicht ohne Komplikationen weiterdrehen.

Fazit: ich habe das Buch nicht fertig gelesen. All die Kunstabhandlungen waren mir zuviel.

 

 

7.

Deutsche Literatur 🇩🇪

Goldstrand  *

von Katarina Poladjan, S 160 

 

Eine baufällige Villa in Rom, eine rätselhafte Dottoressa, ein Mann auf der Couch erzählt um sein Leben: In ihrem neuen Roman »Goldstrand« fügt Katerina Poladjan Splitter des alten Europas zu einem heiter-melancholischen Bild der Gegenwart. An der bulgarischen Schwarzmeerküste entsteht in den 1950er Jahren ein Ferienort: Goldstrand, geplant als Platz an der Sonne für alle. Auf der Baustelle wird Eli gezeugt. Sechzig Jahre später hat er seine grössten Erfolge als Filmregisseur längst gefeiert und liegt auf der Couch seiner Dottoressa in Rom. Er mutmasst und fabuliert seine Familiengeschichte, die durch ein ganzes Jahrhundert und quer über den europäischen Kontinent führt, von Odessa über Konstantinopel und Warna in Bulgarien bis nach Rom. 

 

Fazit: historisch und literarisch ein Volltreffer und zu Recht  ausgezeichnet.

 

 

8.

Schweizer Literatur 🇨🇭

Ilaria *

von Gabrielle Salami, S 162 

 

An einem Tag im Mai 1980 steigt die achtjährige Ilaria nach der Schule in das Auto ihres Vaters, der sie abholen soll. Es ist der Beginn einer zweijährigen Irrfahrt durch Italien – denn der Vater hat sie entführt. Ständig wechselnde Hotels, die endlosen Stunden im Auto, auf unbeseelten Autobahnraststätten, Triest, Bologna, ein Internat in Rom, ein Bauernhof in Sizilien, und Ilaria denkt ständig an die Mutter und die Schwester und schwört sich, nicht mehr zu weinen. Manchmal sieht das alles aus wie eine normale Kindheit, dank der Spiele, die sie und der Vater unterwegs spielen, wie sie im Auto die Hits lauthals mitsingen. Aber der Vater trinkt, ist ständig nervös, viel zu impulsiv. Hin und wieder darf sie mit der Mutter telefonieren, Ilaria hat schmerzhafte Sehnsucht nach ihr, doch zugleich will sie den Vater schützen. Und bei alledem muss sie irgendwie versuchen, die andauernde Angst, den Zusammenbruch ihres Lebens, ihre stille Verzweiflung zu bewältigen.Ilaria ist ein Roadtrip durch ein ungekanntes Italien und ein beeindruckend erzählter, autobiographisch grundierter Roman – über heikle Nähe, die elementare Schutzlosigkeit eines Kindes und die Notwendigkeit einer viel zu frühen Selbstbehauptung. 

Fazit: was Erwachsene ihren Kindern antun ist eigentlich unbeschreiblich. Aber der Autorin gelingt das in diesem Buch unbeschreiblich gut.

 

 

9.

Bulgarische Literatur 🇧🇬 

Der Gärtner und sein Tod *

von Georgi Gospodinov, S 240

 

»Mein Vater war Gärtner. Jetzt ist er ein Garten.«  In seinem bisher persönlichsten Roman lässt Georgi Gospodinov das Leben seines Vaters in einer bewegenden Hommage auferstehen. Mit Witz und Wärme feiert er den leidenschaftlichen Gärtner, der bis zum Schluss nicht vom Umgraben, Säen und Jäten abzubringen ist – und vom Geschichten erzählen. Der Vater zeichnet mit seinen Worten ein Bild der Welt, überall und so lebendig, dass alle Schmerzen vergehen und der Blütenstaub der geschilderten Kirschbäume sich in den Aschenbechern seiner Ärzte wiederfindet. Ein Buch über unsere Eltern, die uns nicht nur beibringen zu leben, sondern auch, was es heisst, Abschied zu nehmen.

 

Fazit: dieses Buch hat mich zu Tränen berührt,  so traurig und doch so schön geschrieben. 

 

 

10.

Oestereichische Literatur 🇦🇹

Das grössere Wunden *

von Thomas Glavinic, S 528 

 

Thomas Glavinics grosser Roman über die Liebe. Während einer Expedition zum Gipfel des Mount Everest erinnert sich Jonas zurück an sein Leben – an seine aussergewöhnliche Kindheit mit seinem Zwillingsbruder Mike und seinem Freund Werner, an seine Reisen durch die ganze Welt und an die Momente mit seiner grossen Liebe Marie, die sein Leben verändert hat. In »Das grössere Wunder« erzählt Thomas Glavinic von magischen Begegnungen, grossen Freund-schaften und tragischen Schicksals-schlägen, von einem Baumhaus in Norwegen, einer einsamen Insel und dem Aufstieg auf den höchsten Berg der Welt.

 

Fazit: dieser Roman war nicht so mein Ding, nur etwa 1/3 gelesen.

 

 

11.

Italienische Literatur 🇮🇹 

Gambino 

von Marco Balzano, S 256

 

Triest, 1920. Mattia ist ein Faschist der ersten Stunde. Sein Gesicht ist noch bartlos, weshalb man ihn Bambino nennt, aber seine Schläge sind so hart, dass die halbe Stadt sich vor ihm fürchtet. Mattia weiss nicht, wer seine Mutter ist. Gar eine von drüben? Eine Slowenin? Sein Vater, der Antifaschist und Uhrmacher, will es ihm nicht verraten. Im Schlamm und Schmutz des Zweiten Weltkriegs verliert Mattia schliesslich alle Gewissheiten, und er muss erfahren, dass der Gewinner von heute der Verlierer von morgen sein kann.

 

 Fazit: von M. Balzano souverän geschrieben. Man lernt viel über den Faschismus in Italien, es kommen viele Kriegsgreuel vor. Und das alles in einer distanzierter Form in einen Roman zu bringen, ist wahre Schreibkunst!

 

 

12.

Amerikanische Literatur 🇬🇧

Der andere Arthur

von Liz Moore, S 388  

 

Wie in der Fürsorge für andere die eigene Rettung liegen kann. Arthur Opp, einst Literaturprofessor, hat sein Haus in Brooklyn seit über einem Jahrzehnt nicht mehr verlassen und wiegt mittlerweile 250 Kilo. Die wenigen Schritte zur Haustür, um Lieferungen entgegenzunehmen, sind seine tägliche Herausforderung. Nur 30 Kilometer entfernt kämpft der 17-jährige Kel um seinen Schulabschluss und die Chance auf ein besseres Leben: ein Sportstipendium. Doch während er um seine Zukunft ringt, hält ihn die Sorge um seine kranke Mutter in Atem. Arthur und Kel sind zwei Menschen, die auf unterschiedliche Weise erfahren haben, wie sich Einsamkeit in ein Leben einschreiben kann. Als sich Kels Mutter, einst Arthurs Studentin, nach Jahren der Funkstille mit einem verzweifelten Hilferuf an Arthur wendet, nimmt eine Geschichte ihren Lauf, die alte Wunden aufreisst, aber auch neue Wege freilegt und eindrücklich zeigt, wie in der Fürsorge für andere die eigene Rettung liegen kann.

 

Fazit: dieser Roman ist für mich sehr zwiespältig, einmal wirkt er mit grossem Sog, danach stösst er mich wieder ab. Da passiert so viel Unmögliches, dazu die kindliche Schreibweise, und doch habe ich das Buch bis ans Ende gelesen. Dabei wird das Buch überall hoch gelobt.

 

 

13.

Irische Literatur 🇮🇪

Die Schwestern

von Colm Tóibín, S 128 

 

Ueber Sehnsucht, Erinnerungen und die Möglichkeit der Versöhnung – eine eindringliche Erzählung. Núria, Conxita und Montse sind noch Kinder, als sie nach dem Tod des Vaters ihre katalanische Heimat verlassen, um zusammen mit ihrer Mutter nach Argentinien auszuwandern. Sie, die sich so nahestanden, entfremden sich dort zunehmend. Jede der drei Schwestern geht ihren eigenen Weg. Erst als sie Jahrzehnte später gemeinsam das Haus ihrer Tante in den Pyrenäen erben, wo sie als Kinder ihre Ferien verbrachten, finden sie wieder zusammen. Subtil erkundet Tóibín die fragile Architektur der Beziehung zwischen Töchtern und Mutter, voller Zwischentöne, Verletzlichkeit und jener tiefen Melancholie, die mit Entwurzelung und dem Ringen um Zugehörigkeit in einer fremden Gesellschaft einhergeht. »Die Schwestern« ist eine eindringliche Erzählung über Erinnerung und die Möglichkeit von Versöhnung

 

Fazit: Hoch gelobter Roman, mich hat er nicht so fasziniert..

 

 

14.

Deutsche Literatur 🇩🇪

Abschied leben

von Gabriele von Arnim, S 268 

 

Abschied ist der Ort im Jetzt.Wir verabschieden uns an Haustüren, auf Bahnhöfen, im eigenen Kopf, verabschieden uns von Menschen, die sterben, von Geliebten, die weiterziehen, von Kindern, die erwachsen werden. Von Wohnungen, Städten, Jobs. Aber auch von Meinungen und Prägungen, von früheren Ichs, von der Friedens- wie der Demokratiegewissheit. Abschiede sind Kummer oder auch Lust. Sind Schmerz und Mut. Wege und Irrwege. Abschied heisst nicht nur Beraubung und Trauer, sondern auch Verwandlung, Aufbruch, Abenteuer. Abschiede sind auch Wege in die Freiheit der Ungewissheit. 

In ihrem Tagebuch erzählt Gabriele von Arnim ein Jahr lang über Abschiede, Träume, Gegenwarts-ängste und über unentbehrliche Lebensfreude, durchläuft sie das Labyrinth ihres Wollens und Hoffens bis hin zum unentrinnbar letzten Abschied, ahnt den Schrecken der Endgültigkeit. Manchmal übe ich sterben, schreibt sie.

Fazit: ein Tagebuch für das Jahr 2025, sehr interessant und politisch. Unbedingt lesen!

 

 

15.

Österreichische Literatur 🇦🇹

Die Lebensentscheidung

von Robert Menasse, S 158 

 

Frustriert von den Mühlen der Bürokratie, trifft Franz Fiala eine »Lebensentscheidung« und wirft seinen Job bei der Europäischen Kommission hin. Als er seine Mutter zum 89. Geburtstag in Wien besucht, verschweigt er ihr jedoch seinen vorgezogenen Ruhestand. Und auch das Gespräch mit Nathalie, mit der er seit vier Jahren in Brüssel eine Beziehung führt, über die gemeinsame Zukunft misslingt. Dann treten wiederkehrende Schmerzen auf, die sich nicht länger ignorieren lassen. Der Befund: Krebs, unrealistisch, dass er noch ein Jahr lebt. Und mit einem Mal geht es allein darum, seine Mutter darüber zu täuschen, ihr den Schmerz zu ersparen, ihren Sohn sterben zu sehen: »Überleben konnte für ihn nur heissen, seine Mutter zu überleben. Vor ihr, bis zu ihrem Tod, seine Krankheit zu verheimlichen. Es ging jetzt um einen Überlebenswettkampf. Das war jetzt die Lebensentscheidung.« Kann man über sein Leben entscheiden? Nicht über das Ende, sondern mit Willenskraft über das Weiterleben, länger, als erwartbar wäre? Mit existentieller Wucht und dennoch leichtfüssig erzählt Robert Menasse in Die Lebensentscheidung von einem Wettlauf mit dem Tod. Leben und Sterben, Liebe und Familie, darum geht es in dieser raffiniert-kunstfertigen Novelle. 

Fazit: sehr gut geschrieben, mit einem unerwartetem Ende.

 

 

16.

Deutsche Literatur 🇩🇪

Mit beiden Händen den Himmel stützen

von Lilli Tollkien, S 255

 

Eine Kindheit und Jugend im Ausnahmezustand und ein Mädchen, das zur Heldin der eigenen Geschichte wird.   Lale wächst in den 80ern in einer Berliner Männer-Kommune auf, in der Partys gefeiert und Revolutionen geplant werden. Sie darf wach bleiben, solange sie will, Süssigkeiten essen und ewig fernsehen. Doch sie sehnt sich nach Geborgenheit und Verlässlichkeit, während ihre eigenen Grenzen immer wieder übertreten werden. Auf dem schmalen Grat zwischen Freiheit und Vernachlässigung sucht Lale ihren Weg, taumelt an den Rändern und findet Jahre später Halt im Erzählen selbst. 

Fazit: es für mich unfassbar, wie kann man einem Kind so viel Leid antun kann. Das Schöne an diesem Buch ist das Ende, welches so hoffnungsvoll ist und wie der Text so nicht wertend geschrieben ist.

 

 

17.

Schweizer Literatur 🇨🇭

Weil ich Ruth bin

von Julia Weber, S 384 

 

Alle verfallen ihr. Sie geht selbstbewusst durch die Strassen in ihrem Glanz, zieht magisch die Aufmerksamkeit auf sich. Ruth. Ruth ist ein ganz besonderer Mensch. Sie kommt mit einem Fell zur Welt wie schon ihre Mutter und ihre Grossmutter, am Ende der Kindheit verliert sie es. Und Ruth hat «die Kraft». Sie kann Gewitter aufziehen lassen, Bäche zum Versiegen bringen, Dinge bewegen. Aber vor allem kann sie Menschen in Tiere verwandeln, vorübergehend. Und die Menschen strömen zu ihr, wollen Qualle sein auf Zeit, Languste, Hund, Vogel, Echse und dabei die Rechnungen vergessen, die Sitzungen im Büro, den Haushalt, das ganze moderne Leben. Ruth teilt ihre Kraft mit jedem einzelnen Menschen, sie sehen bei ihr das Glück, sehen, was sein könnte und nicht ist, was sie vergessen haben und jetzt vermissen. Und sie hilft mit ihrer Kraft auch denen, die Gewalt erleben. Aber dann kommt Linda, die grosse, schöne Linda. Die verheiratete Linda. Was soll jetzt werden? «Weil ich Ruth bin» ist ein verblüffender Roman voller Magie in einer einzigartig sinnlichen Sprache. 

Fazit: dieser Roman ist wirklich etwas spezielles. Eine seltsame Geschichte in einem speziellen Klang geschrieben, faszinierend, aber eher schwierig zu lesen und zu verstehen. Ich denke jeder sieht in dieser Geschichte etwas anderes. Ich brauchte recht lange Zeit bis ich zum Ende kam.

 

 

Schweizer Literatur

Einfallende Dämmerung 🇨🇭

von Christian Haller, S 144 

 

Der Mikrobiologe Paul Bálint feiert mit ehemaligen Kollegen in Paris seinen 80. Geburtstag. Er wird geehrt und spürt zugleich, dass die Feier auch ein Abschied ist. Er befindet sich, so sein Freund Steinberg, an der Schwelle zwischen dem „jungen Alter“ und dem „alten Alter“ – einer Phase, in der nichts mehr selbstverständlich ist und sich die Vergänglichkeit in allen Dingen bemerkbar macht. Doch statt sich nur mit dem Verlust zu beschäftigen, will Bálint die neue Lebensphase erkunden wie ein unbekanntes Land: Was bedeutet das Alter für den Körper, die Erinnerung, das Gefühl für das Selbst und die Zeit, für das Verhältnis zu den Mitmenschen, den lebenden wie den toten? Je mehr er sich mit dem Alter beschäftigt, desto deutlicher zeigt sich ihm ein Leben voller neuer Möglichkeiten. Es bietet ihm zudem die grosse Freiheit, sich ohne Rücksicht auf Konventionen und wissenschaftliche Regeln einen eigenen Reim auf die heutige Welt und ihre Veränderung zu machen.

Fazit: Ein wunderschöner Text über das Altern, unbedingt lesen.

 

 

 

 

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Die Länderflaggen beziehen sich auf die Herkunft des Autors/der Autorin.

Seit 26.05.2016

Überarbeitet Februar 2018