empfehlungen 2025
schweizer autoren
Schweizer Literatur
Die Stille der Höhe
von Tim Krohn, S 192
Michael und Marta nehmen wegen eines Fondue-Sets an einer Tombola teil und gewinnen den Hauptpreis: ein verlängertes Wochenende im Bergell, das Michael am Albignasee eine einsame Nacht unter Sternen beschert. Lorenz und Sibylle werden im August auf dem Gotthardpass in leichtem Hemd und Sandalen vom Schnee überrascht. Margrith fährt jeden Winter nach Vals, wo sie auch dieses Jahr im Mondlicht hinaufsteigt nach Leis, im Gepäck Stifters Novelle Bergkristall . Edith und Hubert wandern zur Trauerbewältigung: sie barfuss, er mit einer Tuba im Gepäck. Tim Krohns Figuren fahren mit dem Postauto nach Maloja, mit dem Deux-Chevaux über den Gotthard, mit dem Zug ins Glarnerland und mit dem Bähnli auf den Bärenboden. Sie erzählen von Auf- und Abstiegen, von zerklüfteten Landschaften und der Einsamkeit in den Alpen, vom Naturerleben und der ewigen Suche nach etwas, das die Leere füllt.
Schweizer Literatur
Bevor ich alt werde
von Daniel Metzger, S 336
»Die Frage war nicht, ob, die Frage war, wann man diese Stadt verlässt. Hanover, Ontario.« Charlotte, genannt Charlie, ist das Mädchen an der Gitarre. Mit den Jungs ihrer Band hofft sie auf den Durchbruch. Zu Hause hat sich ihre Mutter schon lange einer Diagnose ergeben, eine heimtückische Erbkrankheit, die mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit auch in Charlotte schlummert. Doch das Versprechen der Jugend ist riesig, und Charlotte will ein freies Leben. Sie nimmt ihre erste Platte auf, es warten Toronto, Detroit, Berlin. Hanover hat sie längst hinter sich gelassen – aber die mögliche Krankheit rückt näher. Spätestens als sie Jason trifft und irgendwann ein Kinderwunsch im Raum steht, muss sie sich der Frage stellen, ob sie sich testen lassen soll. Ob sie wissen will, was ihr Leben für immer bestimmen könnte. Altwerden könnte bei ihr früh beginnen.
Mitreissend erzählt Daniel Mezger von einer Auflehnung gegen ein perfides Schicksal, das eine junge Frau mit ihrer Mutter bereits vor Augen hat. Ihre Freiheitssuche beschert ihr immerhin eine launische Musikkarriere, und mit treibendem Groove wird die womöglich fatale Diagnose überholt, überspielt und mit lapidaren Dialogen vom Sockel der Betroffenheit geholt.
Schweizer Literatur
Fluss der Zeit
von Pascal Mercier, S 112
Bestsellerautor Pascal Mercier, der Meister des philosophischen Erzählens, über Loslassen, Freiheit, Erinnerung und die Erfahrung von Vergänglichkeit und Zeit.Die Romane »Nachtzug nach Lissabon« und »Das Gewicht der Worte« verführten ein Millionenpublikum dazu, über grosse Themen wie Identität, Freiheit, Zeit oder den Sinn des Lebens nachzudenken. Nun ist Pascal Mercier in fünf bisher unveröffentlichten Erzählungen auch als Meister der kurzen Form zu entdecken: Kann ein Mann auf dem Höhepunkt seiner Jahre noch einmal die Zeit seines Aufbruchs ins Leben heraufbeschwören? Wann beschädigt Grosszügigkeit die Würde eines Künstlers? Gibt es Emotionen, die unser Verstand nicht mehr erreicht? Noch einmal lernen wir mit Pascal Mercier unvergessliche Figuren kennen, die uns mit ihren Gefühlen und Gedanken sehr nahekommen – und dabei unverhofft Einblicke in unser eigenes Selbst eröffnen.
Schweizer Literatur
Nebelflüchtige
von Florian Badel, S 224
Aita hat das heimatliche Unterengadin nach dem Abitur verlassen und in Wien ein neues Leben gefunden, in der »Hauptstadt am Inn«, wie Johannes ihr zuliebe sagt. Schliesslich ist der Inn in Passau, wo er mit der Donau zusammenfliesst, der breitere der beiden Flüsse. Erst nach dem unerwarteten Tod ihrer Mutter kehrt Aita zurück ins Heimatdorf, aber es ist nicht mehr das Zuhause ihrer Kindheit. Die alten Engadiner Häuser werden eines nach dem anderen an den Meistbietenden verkauft. Der Luxusimmobilienmarkt boomt, und auch Aitas Brüder wollen davon profitieren. Aita kann es nur traurig geschehen lassen, während ihr alter Schulfreund Luis, der den Dorfladen übernommen hat, immer verzweifelter nach Strategien des Widerstands gegen die Kommerzialisierung der Natur und der lokalen Traditionen sucht. Nebelflüchtige ist ein vielstimmiger, poetischer und packender Roman über das Aufeinanderprallen heutiger Lebenswelten.
Schweizer Literatur
Am Kantenhais
von Gianna Olinda Candennau, S 133
Ninas kleiner Hund hat eine Aversion gegen Vögel. Sonst hätte Simon Nina nicht auf einen Kaffee einladen können, und sie hätten nie erfahren, was sie verbindet. Tim zählt. Gullydeckel, Parkuhren, Briefkästen. Auf dem Weg von der Schule nach Hause darf er keine verpassen. Aber eines Tages ist da diese grosse Dogge, und alles gerät ausser Kontrolle. Die kleine Dina heisst eigentlich Devi. Ihr Vater, den sie nicht gekannt hat, gab ihr diesen Namen. Ihre Oma hatte jedoch beschlossen, dass Dina besser zu verstehen sei. Sie ist trotzdem anders als alle anderen, denn ihre Haut ist braun. Die Schülerin Anju flüchtet sich gern in den Wald. Endlich befreit von den Blicken und Worten ihrer Familie, entdeckt sie einen geheimen Ort ganz für sich allein. Und am Kantenhain sorgt eine kleine schwarze Katze für Aufregung. Gianna Olinda Cadonau erzählt vom Fremden, vom Anderssein, von der Suche nach Zugehörigkeit, von Freundschaft, Rätseln und Wundern. Zwischen den Zeilen ihrer atmosphärisch dichten, kunstvollen Geschichten liegt eine suggestive Sogwirkung. Behutsam und subtil beleuchtet sie in ihrer poetischen, klaren Sprache die Beziehungen ihrer Figuren, und so gelingt es ihr, mit grossem Einfühlungsvermögen Unaussprechbares sichtbar zu machen.
Schweizer Literatur
Tal der Schwalben
von Sereina Kobler, S 352
Die Schweiz in naher Zukunft: Die Städte sind zusammengewachsen zur alles beherrschenden »Metropolitane«, während die Alpen für die Stromversorgung zur Sperrzone erklärt wurden. Der junge Wissenschaftler Alesch kehrt in sein Heimatdorf Pradetta zurück, einen abgelegenen Ort im schwindenden Schatten eines Gletschers. Seltsame Wetterphäno-mene häufen sich am Berg, und schon bald ist Alesch hin- und hergerissen zwischen urwüchsiger Bergwelt und Hoffnung auf Fortschritt. Denn seine so revolutionäre wie gefährliche Forschung könnte die Antwort auf die Energiekrise bergen. Und dann ist da noch seine Jugendliebe Annetta …
Schweizer Literatur
Königin der Nacht
von Lukas Bärfuss, S 128
Nach "Vaters Kiste" wendet sich Lukas Bärfuss nun in einem bewegenden autobiografischen Essay dem Leben seiner Mutter zu. Eine kleine Stadt in der Schweiz. Ein Haushalt mit einer Frau und ihrem Sohn. Es gibt keinen Mann, es gibt Männer. Und an Geld herrscht immer Mangel, an Zärtlichkeit erst recht. Die Mutter von Lukas Bärfuss war eine Frau ohne Bildung und ohne Perspektiven, dafür mit einem unstillbaren Freiheitsverlangen. Das Kind sah sie als Fessel, sie hatte sich dieses Leben nicht ausgesucht. Eine Rabenmutter, so nannte sie sich selbst; ihr Sohn landete auf der Strasse. Sie hatte nur die Waffe der Ohnmächtigen, das böse Maul. Und im Alter blieb ihr kein anderer Ausweg als die Armutsmigration in die Dominikanische Republik, aus einem der wohlhabendsten Länder der Welt, in dem der Lebensabend unerschwinglich für sie war.
Amerikanische Literatur
Kleiner Regen
von Garth Greenwell, S 368
»Aus einer Geschichte über Schmerz wird ein herausragendes Buch über Liebe und Glück.« The New Yorker. Das Leben eines Lyrikers kommt durch einen plötzlichen körperlichen Schmerz zum Halt: Der Schmerz zwingt ihn in die Notaufnahme ins Krankenhaus, dann auf die Intensivstation. Der Frage ausgeliefert, was mit seinem Körper passiert und wie er in sein Leben zurückfinden kann, reflektiert er seinen Alltag, seine Beziehung, die Momente von Glück. Mit dem Krankenpfleger Frank hört er klassische Musik, und auf paradoxe Weise gibt ihm die Welt, die ihm genommen wurde, die Welt zurück. Sanfter Regen ist ein Roman, der an den äussersten Grenzen der menschlichen Erfahrung spielt. Eine körperlich bedrohliche Situation wird im Laufe der Seiten zu einem tiefen, transformativen Geschenk, das uns zeigt, was ein gutes Leben ausmacht: Verletzlichkeit, die Beschäftigung mit Kunst, mit den Menschen, die uns nah sind. Vor allem aber ist dies eine grosse, eine überraschende Liebesgeschichte.